05.09.2026

Newsletter EAB
Für Vorname Nachname

Liebe Freundinnen und Freunde der EAB,

sechzig Prozent der Menschen in Deutschland sagen, sie äußerten ihre Meinung heute vorsichtiger als früher – aus Sorge vor den Reaktionen. Zweiundsiebzig Prozent sagen im selben Atemzug, sie verträten ihre Ansichten grundsätzlich frei (dimap für die Friedrich-Naumann-Stiftung, Ende 2025). Beides zugleich kann nur stimmen, wenn das Problem nicht die Überzeugung ist, sondern der Moment, in dem man sie aussprechen müsste.

Diesen Moment kennen wir alle. In der S-Bahn fällt ein Satz, der nicht stehen bleiben sollte. Am Elternabend kippt der Ton. In der Büroküche wird ein Thema verschoben, bis niemand mehr weiß, worüber gestritten wurde. Und uns fällt erst zu Hause ein, was zu sagen gewesen wäre. Das ist kein Charakterfehler. Es ist fehlende Übung.

Übung lässt sich organisieren. Am 11. September laden wir in den C*SPACE nach Weißensee: zwei Workshops am Nachmittag – Manipulationsmuster erkennen bei Gernot Wolfram, den Schritt vom Reden ins Handeln bei den Radikalen Töchtern – und abends ein offener Hof. Bewerbungsschluss ist der 6. September, dieser Sonntag.

Demokratie ist eine Fertigkeit, keine Gesinnung. Und Fertigkeiten kann man üben, gemeinsam, an einem Freitagnachmittag in Weißensee.

Herzliche Grüße
Ihr Christian Johann

+++ ERINNERUNG IM ABGEORDNETENHAUS: DER BERICHT +++ RECHTSSTAAT ZUM FRÜHSTÜCK: IRLANDS BOTSCHAFTERIN MAEVE COLLINS TRIFFT IN DER EAB AUF WISSENSCHAFT UND ZIVILGESELLSCHAFT +++ KARPACZ, 8.–10. SEPTEMBER: EAB-DIREKTOR CHRISTIAN JOHANN DISKUTIERT AUF DEM FORUM EKONOMICZNE ÜBER SOZIALES KAPITAL – DEN ROHSTOFF, DEN KEINER BESTELLEN KANN +++ MERICS LÄDT, DIE EAB BRINGT IHR CHINA-NETZWERK MIT: EUROPEAN CHINA CONFERENCE +++

ARTISTIC FREEDOM NOW! EIN GESETZ FÜR DIE KUNSTFREIHEIT?

Wenn Regierungen Intendanten austauschen und Fördertöpfe an Wohlverhalten knüpfen, hilft Empörung wenig. Es braucht Regeln. Ob ein European Artistic Freedom Act diese Regeln liefern kann, diskutiert ein Podium im Europäischen Haus.

Auf dem Podium: Katalin Krasznahorkai, Milo Rau, Claudia Roth und Heidi Wiley. Keynote von Sanjay Sethi (Artistic Freedom Initiative), Grußworte von Barbara Gessler und Manos Tsangaris. Es moderiert Christian Johann.

Mittwoch, 23. September, 14 bis 16 Uhr, Europäisches Haus, Unter den Linden 78. Auf Englisch, kostenfrei, Anmeldung bis zum 22. September.

Eine Veranstaltung der Artistic Freedom Initiative, der European Alliance of Academies mit der Akademie der Künste und der Koalition Resistance Now! Together, in Kooperation mit der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland.

Zur Anmeldung

WORKSHOPS UND HOFFEST AM 11. SEPTEMBER IM C*SPACE BERLIN

Streiten kann man lernen. Am Freitag, den 11. September 2026, lädt EUROPE DIRECT Berlin in den C*SPACE nach Weißensee: zwei Workshops am Nachmittag, danach ein offenes Hoffest.

Sie gehen mit zwei Dingen nach Hause – mit Sätzen, die sitzen, wenn jemand im Bus oder am Familientisch die Grenze überschreitet. Und mit Methoden, die ein Gespräch am Laufen halten, auch wenn die Positionen weit auseinanderliegen. Geübt wird, nicht vorgetragen. Am Abend öffnet der Hof, auch für alle, die den Nachmittag nicht mitmachen.

Hier sind unsere Formate für diesen Tag – sichern Sie sich Ihren Platz.

DEMOKRATIE DURCH DIALOG: MANIPULATIONEN ERKENNEN UND SOUVERÄN BLEIBEN

Sie kennen den Moment: Das Gespräch kippt. Fakten werden verdreht, das Thema wandert, plötzlich geht es nicht mehr um die Sache, sondern um Sie. Und Ihnen fällt erst auf dem Heimweg ein, was Sie hätten sagen sollen.

Genau daran arbeitet dieser Workshop. Whataboutism, Gish-Galopp, Strohmann – wer diese Muster im Moment erkennt, in dem sie eingesetzt werden, verliert die Ruhe nicht mehr. Prof. Dr. Gernot Wolfram (Medien- und Kulturmanagement) zeigt, wie Sie manipulative Züge früh benennen und ein Gespräch zurück auf die Sachebene holen. Interaktiv, mit Übung an echten Situationen.

Am 11. September 2026, 12:00 bis 16:00 Uhr, im C*SPACE Berlin, Langhansstraße 86, 13086 Berlin. Die Plätze sind begrenzt: Bitte bewerben Sie sich bis zum 6. September mit einer kurzen Motivation (maximal eine halbe Seite) bei Ute Böhr.

Alle Informationen und Bewerbung

MUT-MUSKEL-WORKSHOP: VOM REDEN INS TUN

Die Idee liegt seit Monaten in Ihrem Kopf. Sie wissen, was sich ändern müsste, Sie haben es Freunden erzählt, Sie haben es vielleicht sogar aufgeschrieben. Passiert ist nichts – weil der erste Schritt der schwerste ist und niemand ihn Ihnen zeigt.

Die Radikalen Töchter zeigen ihn. Ihr Mut-Muskel-Workshop arbeitet mit Methoden aus Aktionskunst und künstlerischem Aktivismus: Sie üben, ein Anliegen so sichtbar zu machen, dass es Menschen erreicht, und Sie gehen mit einem eigenen Vorhaben aus dem Raum, nicht mit einem guten Gefühl. Mut ist trainierbar, daher der Name.

Parallel zum Dialog-Workshop, am 11. September 2026, 12:00 bis 16:00 Uhr, im C*SPACE Berlin. Bewerbung bis zum 6. September mit einer kurzen Motivation (maximal eine halbe Seite) bei Ute Böhr.

Alle Informationen und Bewerbung

HOFFEST LAUT GEDACHT: MEINUNG TRIFFT MUT IM C*SPACE BERLIN

Der Tag hört nicht auf, wenn die Workshops enden. Ab 16:00 Uhr öffnet der Hof im C*SPACE – für alle, auch für die, die den Nachmittag nicht mitgemacht haben.

Barbara Gessler, Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland, begrüßt, danach übernimmt Lu Noboa mit Stand-up. Und dann passiert das, wofür es keine Tagesordnung gibt: Kaltgetränke, Snacks, ein Hof in Weißensee an einem Septemberabend und Menschen, die sich für dieselben Fragen interessieren wie Sie. Manche Gespräche fangen erst nach dem Programm an.

16:00 bis 19:00 Uhr, C*SPACE Berlin. Kommen Sie allein oder bringen Sie jemanden mit. Für die Planung bitten wir um eine kurze Online-Anmeldung bis zum 6. September.

Alle Informationen und Anmeldung

RESILIENT EUROPE 2026: VOM SCHÜTZENGRABEN AN DEN JOYSTICK

Der Schützengraben ist das Bild, das Europa vom Krieg im Kopf hat: Schlamm, Stahlhelm, ein Mann mit einem Gewehr. Das Bild ist keine hundert Jahre alt und schon eine Antiquität. Wer heute über Verteidigung entscheidet, sitzt womöglich vor einem Bildschirm, und wer den Dienst antritt, hat das Fliegen an einer Konsole gelernt, lange bevor ihn jemand danach gefragt hat.

Über diese Verschiebung spricht die Europäische Akademie Berlin am 22. Oktober in Prag. Im Rahmen der Sicherheitskonferenz Resilient Europe 2026 richtet sie eine deutsch-tschechische Side Session aus, „From the Trench to the Joystick": Wie sieht ein Militärdienst aus, der ins 21. Jahrhundert passt? Was machen KI und Cybertechnologien mit der Frage, wen ein Staat überhaupt noch rekrutiert? Und was hält eine Gesellschaft zusammen, die sich diese Fragen zum ersten Mal seit Generationen wieder stellen muss?

Diskutiert wird nicht über junge Menschen, sondern mit ihnen – am selben Tisch wie Fachleute aus Diplomatie, Politik und Verteidigung. Dazu der volle Zugang zum zweitägigen englischsprachigen Programm und zu allen Networking-Formaten. Anreise und Unterkunft in Prag übernimmt die EAB.

Zwei Plätze sind noch frei. Eine formlose E-Mail an Magdalena Weißing genügt.

EUROPE ON TRACK: ACHT TAGE, VIER STÄDTE, EIN ARBEITSAUFTRAG

Es gibt einen Unterschied zwischen einem Seminar über Europa und einer Zugfahrt durch Europa, und er liegt nicht am Tempo. Im Seminarraum bleibt die EU eine Abstraktion. Im Regionalzug zwischen Pardubice und Potsdam wird sie zu einer Sache von Fahrplänen, Grenzbahnhöfen und Menschen, die einem auf dem Bahnsteig erzählen, was sie von Brüssel halten – wenn man sie fragt.

Vom 12. bis 19. Oktober fahren 20 junge Leute aus Deutschland und Tschechien diese Strecke: Prag, Pardubice, Potsdam, Berlin. Acht Tage lang sprechen sie mit Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern, mit Jugendorganisationen und mit Passantinnen und Passanten auf der Straße über Demokratie, Sicherheit und Digitalisierung. Was sie dabei erfahren, verwandeln sie unterwegs in konkrete Vorschläge.

Und dann kommt der Teil, den die meisten Jugendprojekte nicht haben: Am Ende der Reise übergeben die Teilnehmenden ihre Ergebnisse persönlich im Europäischen Haus in Berlin an Vertreterinnen und Vertreter der EU. Von Hand zu Hand, im selben Raum. Wer schon einmal versucht hat, ein Papier bis dorthin zu bringen, weiß, was das wert ist.

Bewerben können sich alle zwischen 18 und 28 Jahren, bis zum 6. September. Die Teilnahme ist kostenfrei, Programmsprache ist Englisch, der digitale Kick-off läuft am 24. September. Gefördert vom Auswärtigen Amt, kofinanziert von der Europäischen Union (Erasmus+), durchgeführt von der Europäischen Akademie Berlin in Kooperation mit Post Bellum.

Mehr erfahren und bis zum 6. September bewerben

WAS KEIN FÖRDERANTRAG BEZAHLT

Vier der Angebote in diesem Newsletter sind gefördert – vom Auswärtigen Amt, aus Erasmus+, vom Land Berlin. Das ist gut so, und es ist die Grundlage unserer Arbeit. Nur: Förderung ist zweckgebunden. Sie bezahlt das beantragte Projekt, den bewilligten Zeitraum, die definierte Zielgruppe.

Sie bezahlt nicht den Anruf im Januar, wenn eine Schule fragt, ob jemand kommen kann. Nicht die Idee, für die es noch keine Förderlinie gibt, weil das Thema erst drei Wochen alt ist. Nicht die Stühle im Hof für die zwölf Leute, die spontan geblieben sind. Und nicht die Zeit, in der wir nachdenken, bevor wir beantragen.

Genau dieser Spielraum entscheidet, ob politische Bildung auf Anträge reagiert oder auf die Wirklichkeit. Ihre Spende finanziert ihn.

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SONDERFALL ISLAND? IST DIE EU WEITERHIN ATTRAKTIV?

Island ist eng in Europa integriert und bleibt dennoch außerhalb der Europäischen Union. Nach dem jüngsten Nein zur Wiederaufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie attraktiv ist das europäische Projekt heute noch?

In der neuen Folge von „Frei gedacht“ - einem Kooperationspodcast der Friedrich-Naumann-Stiftung und der Europäischen Akademie Berlin im Europapodcast - diskutieren Frauke M. Seebass und Thomas Hacker mit Sascha Tamm und Lennart Jürgensen über Island, Montenegro und die Ukraine. Im Mittelpunkt stehen geopolitische Interessen, Rechtsstaatlichkeit und die Frage, ob Europa ein neues positives Narrativ braucht. Dabei geht es nicht nur darum, ob die EU wächst, sondern ob sie durch neue Mitglieder auch politisch handlungsfähiger wird.

Hier die neue Podcast-Folge anhören

DIGITAL SERVICES ACT: EU VERSCHÄRFT VORGABEN FÜR CHATGPT, REDDIT UND ROBLOX

Die Europäische Kommission stuft das KI-Sprachmodell ChatGPT, das Online-Forum Reddit sowie die Spieleplattform Roblox künftig als „sehr große Online-Plattformen“ ein. Damit greifen für diese Dienste ab sofort die strengen Regelungen des europäischen Digital Services Act (DSA).

Für die Betreiber bedeutet diese Einstufung, dass sie potenzielle Risiken ihrer Systeme noch strenger bewerten und gezielte Maßnahmen zu deren Begrenzung ergreifen müssen. Die EU-Kommission übernimmt hierbei die direkte Aufsicht und kann bei Verstößen Verfahren einleiten, die bis zu hohen Geldstrafen führen können. Die betroffenen Plattformen haben nun vier Monate Zeit, um die zusätzlichen Verpflichtungen des DSA vollständig umzusetzen.

Hier mehr Informationen bei der Tagesschau nachlesen

ÜBERSETZUNGSWETTBEWERB: EINE SCHULE ANMELDEN, NACH BRÜSSEL FAHREN 

Am 26. November setzen sich in ganz Europa rund 3.000 Siebzehnjährige an einen Text. Jeder übersetzt aus einer der 24 EU-Amtssprachen in eine andere, frei gewählt. Vier Stunden, kein Wörterbuchverbot, keine Note. Danach lesen Übersetzerinnen und Übersetzer der Europäischen Kommission die Arbeiten – dieselben Leute, die sonst Gesetzestexte in 24 Sprachen bringen.

Aus jedem Mitgliedstaat gewinnt eine Person. Die 27 fahren vom 8. bis 10. April 2027 nach Brüssel, drei Tage, zur Preisverleihung.

Der Wettbewerb heißt Juvenes Translatores und läuft seit 2007. Mitmachen können Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 2009. Bewerben müssen sich aber nicht sie, sondern ihre Schule: Lehrkräfte registrieren sie zwischen dem 1. September und dem 12. Oktober online. Wer dann teilnimmt, entscheidet das Los – verteilt nach der Zahl der Sitze, die ein Land im Europäischen Parlament hat.

Wenn Sie eine Lehrerin oder einen Lehrer kennen: Die Anmeldung dauert zehn Minuten, das Zeitfenster schließt am 12. Oktober.

Zur Registrierung

WIR SUCHEN: SACHBEARBEITUNG FINANZEN UND FÖRDERMITTEL (M/W/D)

Ohne saubere Fördermittelabrechnung gibt es keine politische Bildungsarbeit. Wir suchen dafür in Vollzeit eine Sachbearbeitung Finanzen und Fördermittel: Buchhaltung und Mittel von Bund, Land und EU, eigenverantwortlich.

Die Stelle ist auf Wachstum angelegt. Wer sie ausfüllt, kann mittelfristig in die Verwaltungsleitung hineinwachsen. Vergütung in Anlehnung an TV-L 9b, 30 Tage Urlaub, flexible Zeiten, 40 Prozent mobil, Büro im Grunewald.

Bewerbungen bis zum 9. September an unsere zentrale Adresse, erste Gespräche digital am 17. und 18. September. Fragen beantwortet Sarah Eilingsfeld.

Zur vollständigen Ausschreibung

WAS BLEIBT, WENN MEHRHEITEN WECHSELN

Am 20. September wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Bis dahin gehört die Stadt denen, die um Stimmen werben.

Eines hat über alle Wechsel hinweg gehalten: Berlin hat sich immer wieder für Europa entschieden. Die institutionelle Förderung durch das Land, die Zusammenarbeit mit der Senatskanzlei und die Unterstützung als EUROPE DIRECT Berlin durch die Europäische Union tragen unsere Arbeit – und diesen Newsletter, Woche für Woche. Dafür danken wir. Und ebenso allen, mit denen wir das Jahr über arbeiten: in den Verwaltungen, den Bezirken, den Schulen, den Häusern der politischen Bildung.

Als überparteiliche Akademie wägen wir in diesen Wochen genau ab, was wir anstoßen. Allen Kandidatinnen und Kandidaten wünschen wir einen fairen Wahlkampf.

Nicht die Meinung fehlt – sondern der…