16.05.2026

Newsletter EAB
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Liebe Freundinnen und Freunde der EAB,

75 Prozent der Menschen in der Europäischen Union fühlen sich als EU-Bürger. So viele wie noch nie, seit die Frage gestellt wird. Das hat das neue Eurobarometer in dieser Woche gemeldet – mitten in einem Moment, der dafür eigentlich schlecht geeignet scheint: Handelskrieg, russischer Angriffskrieg, ein Kontinent, der lernen muss, sich selbst zu verteidigen.


Man könnte das für eine Anomalie halten. Ich halte es für einen Befund.

Was Menschen zusammenhält, ist selten Schönwetter. Es ist die gemeinsame Erfahrung, dass etwas auf dem Spiel steht. Europa wird gerade weniger abstrakt – und das scheinen die Menschen zu spüren.

In dieser Woche hat die EAB zwei Botschafter empfangen, die für diesen Gedanken stehen, jeder auf seine Weise. Gökhan Turan, Botschafter der Republik Türkiye, brachte Zentralasien ins Gespräch – eine Region, die lange im Schatten der großen Debatten stand und nun plötzlich im Zentrum steht. Damir Arnaut, Botschafter von Bosnien und Herzegowina, rückte etwas anderes in den Mittelpunkt: Erinnerungskultur. Sarajevo als jüdisches Zentrum des Balkans, die deutschen Verbrechen dort, Srebrenica. Was Deutschland in Jahrzehnten institutionalisierter Erinnerungsarbeit gelernt hat – nicht als Modell, sondern als Gesprächsangebot.

Beide Gespräche haben eines gemeinsam: Sie lassen sich nicht schnell zu Ende denken. Das ist, in aller Bescheidenheit, genau das, wofür diese Akademie da ist.

Am 10. Juni fragen wir: Bye-bye Britain? Zehn Jahre Brexit – vor laufendem rbb-Mikrofon, mit Ihnen im Saal. Auch das ist kein leichtes Thema. Aber ein notwendiges.

Herzliche Grüße 
Ihr Christian Johann

+++ BOTSCHAFTER KROATIENS ZU GAST IN DER EAB – 15. MAI +++ BOTSCHAFTER DER SLOWAKEI BESUCHT EAB +++ DEUTSCH-POLNISCHES FORUM: JUNGE STIMMEN AUS BEIDEN LÄNDERN – 17. JUNI +++ AFRIKANISCHE BOTSCHAFTEN IM DIALOG MIT DER EAB +++ MITGLIEDERVERSAMMLUNG DER EAB – NOVEMBER 2025 +++ DR. LINN SELLE UND DR. CHRISTIAN JOHANN IM EUROPA-AUSSCHUSS DES BAYERISCHEN LANDTAGS – 18. MAI +++

Das neue Fellowship-Programm Weimarer Kolleg war das meistgelesene Thema unseres letzten Newsletters. Das von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung initiierte und getragene Programm festigt den Austausch zwischen Deutschland, Frankreich und Polen und fügt sich damit hervorragend in eines der diesjährigen Schwerpunktthemen der EAB. Es bietet Führungskräften den Raum, über Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten und konkrete Impulse für die demokratische Zukunft Europas zu setzen. 

Zum Weimarer Kolleg

Die Türkei und Europa im Dialog – Botschafter Turan zu Gast in der EAB

Am 8. Mai war Gökhan Turan zu Gast in der Europäischen Akademie Berlin – außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Türkiye in Deutschland, und einer der profundesten Kenner Zentralasiens im diplomatischen Betrieb.

Die Themen setzten sich von selbst auf die Agenda: europäische Sicherheitsarchitektur, der Stand eines Verhältnisses zwischen Ankara und Brüssel, das seit Jahrzehnten zu komplex ist, um es einfach zu nennen, und die wachsende strategische Bedeutung einer Region, die lange im Schatten der großen Debatten stand. Die Türkei ist NATO-Mitglied, EU-Beitrittskandidat und eigenständiger geopolitischer Akteur – selten hat eine Kombination so viel Gesprächsstoff in einer einzigen Botschaft vereint.

Der Besuch war kein Neustart, sondern eine Fortsetzung. Die EAB und die türkische Botschaft verbindet eine gemeinsame Programmgeschichte: das likeminds-Programm, ein mehrjähriges deutsch-türkisches Nachwuchsprojekt mit der Robert Bosch Stiftung und dem Istanbul Policy Center, war eines ihrer sichtbarsten Ergebnisse. Schon mit Botschafter Turans Vorgänger bestand ein regelmäßiger Austausch. Das Interesse beider Seiten, diesen Faden weiterzuspinnen, ist bekundet – konkrete Formate folgen in den kommenden Monaten.

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SARAJEVO, SREBRENICA, UND WAS ERINNERUNG KANN

Am 13. Mai empfing die Europäische Akademie Berlin Botschafter Damir Arnaut, den außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter von Bosnien und Herzegowina in Deutschland. Arnaut – promovierter Jurist, ehemaliger Parlamentarier und früheres Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates – hat das Thema Erinnerungskultur ausdrücklich selbst in den Mittelpunkt des Gesprächs gerückt: Sarajevo als einstmals bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens auf dem Balkan, die deutschen Verbrechen dort, und Srebrenica. Deutschland, so der gemeinsame Ausgangspunkt, hat durch Jahrzehnte institutionalisierter Erinnerungsarbeit Erfahrungen gesammelt, die für die Westbalkan-Region von Bedeutung sein könnten – nicht als Modell, sondern als Gesprächsangebot.

Die EAB stellte eigene Formate vor, die an diese Fragen anknüpfen: den Videowettbewerb „Nie wieder", das digitale Erinnerungsprojekt Digital Lines und Peace Line – ein Format mit besonderem Fokus auf Nachkriegsgesellschaften. Daneben standen der Stand des EU-Integrationsprozesses und mögliche Kooperationsformate im Mittelpunkt. Bosnien und Herzegowina hat den Kandidatenstatus seit Dezember 2022; die Reformagenda bleibt anspruchsvoll.

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BYE-BYE BRITAIN? 10 JAHRE NACH DEM BREXIT-REFERENDUM


23. Juni 2016. Ein Referendum, ein knappes Ergebnis – und eine Zäsur, die Europa bis heute beschäftigt.

Zehn Jahre nach dem Brexit-Votum stellen wir die Fragen, die noch immer keine bequeme Antwort haben: Historischer Fehltritt oder Befreiungsschlag? Souveränitätsgewinn oder selbst gewählte Isolation? Und lässt sich ein Riss dieser Tiefe durch neue Freundschaftsverträge wirklich schließen?

Diskutieren Sie mit uns und unseren Gästen und der weunderbaren Moderatorin Mirjam Meinhardt – vor laufendem Mikrofon. Die Veranstaltung wird als Live-Aufzeichnung für das rbb24 Inforadio-Forum produziert. Im Anschluss laden wir herzlich zu einem Empfang ein.

10. Juni 2026 | Einlass 18:00 Uhr | Beginn 18:30 Uhr Europäische Akademie Berlin Anmeldeschluss: 8. Juni 2026 – oder bei Erreichen der Kapazitätsgrenze

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GISH-GALOPP UND ANDERE HERAUSFORDERUNGEN

In Zeiten von Polarisierung und Desinformation wird es immer wichtiger, manipulative Debattentaktiken zu erkennen. Ein besonders hartnäckiges Phänomen ist der sogenannte Gish-Galopp: Eine rhetorische Flut aus Halbwahrheiten und Scheinargumenten, die darauf abzielt, das Gegenüber schlichtweg zu überrollen.

Um politische Bildner:innen, Lehrkräfte und Moderator:innen für solche Situationen zu wappnen, hat die EAB gemeinsam mit dem Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten ein neues Fortbildungskonzept entwickelt. Die Materialien helfen dabei, Muster wie Whataboutism oder Fearmongering zu entlarven und demokratische Gesprächsräume aktiv zu schützen.

Das Material bietet:

  • Eine ausführliche Handreichung für Workshops (ca. 7,5 Stunden).
  • Praktische Deeskalationsstrategien für schwierige Diskussionen.
  • Begleitende Präsentationsvorlagen für die eigene Bildungsarbeit.
Zu den Unterrichtsmaterialien & Downloads

DEMOKRATIE DURCH DIALOG

Diskussionen kippen oft schneller, als man denkt. Ob manipulative Ablenkung wie Whataboutism oder persönliche Angriffe – politische Bildung und Moderation stehen vor wachsenden Herausforderungen. Unsere Fortbildung „Demokratie durch Dialog“ am 24. und 25. Juni 2026 stärkt Ihre Handlungssicherheit in polarisierten Debatten.

In dieser kostenlosen Veranstaltung lernen Sie, manipulative Strategien frühzeitig zu entlarven, Diskussionen auf die Sachebene zurückzuführen und demokratische Gesprächsregeln souverän zu verteidigen. Die Fortbildung basiert auf dem erfolgreichen Projekt „Gish-Galopp“ und bietet viel Raum für praxisnahe Übungen und Fallarbeit.

  • Zielgruppe: Fachkräfte der politischen Bildung, Journalist:innen, Multiplikator:innen und engagierte Bürger:innen.

  • Extras: Verpflegung inklusive, Übernachtung in der Europavilla möglich, offizielles EAB-Zertifikat nach Abschluss.

  • Anmeldeschluss: 6. Juni 2026

Details & Anmeldung zur Fortbildung

IHR AUFENTHALT IN DER EUROPAVILLA

Suchen Sie einen inspirierenden Ort für Ihre nächste Konferenz oder einfach einen besonderen Rückzugsort in Berlin? Unsere Europavilla im grünen Grunewald bietet nicht nur modern ausgestattete Tagungsräume, sondern auch komfortable Übernachtungsmöglichkeiten. Ob Seminar oder Städtereise – bei uns tagen und schlafen Sie im Herzen der europäischen Verständigung.

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WERDEN SIE TEIL UNSER MISSION

Die EAB lebt vom Austausch und dem Engagement für ein demokratisches Europa. Als gemeinnützige Einrichtung freuen wir aus über Ihre Unterstützung, um unsere Projekte und Bildungsangebote weiterhin für alle zugänglich zu machen. Jeder Beitrag hilft uns, europäische Werte erlebbar zu machen.

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EUROBAROMETER RÜCKBLICK ZUM EUROPATAG

Der Europatag am 9. Mai erinnerte auch 2026 an die Geburtsstunde der EU. Passend dazu liefert die neue Eurobarometer-Umfrage Rekordwerte: 75 % der Befragten fühlen sich als EU-Bürger – der höchste jemals gemessene Stand.

Trotz globaler Krisen und Sorgen um die Lebenshaltungskosten wird die Europäische Union zunehmend als Stabilitäts- und Sicherheitsfaktor wahrgenommen. Fast drei Viertel der Befragten sind überzeugt, dass ihr Land von der EU-Mitgliedschaft profitiert. Besonders bei jungen Menschen wächst das Vertrauen in die europäische Demokratie und den Schutz gemeinsamer Werte.

Was die Menschen in Europa aktuell bewegt und wie sie auf die internationale Lage blicken, erfahren Sie in der detaillierten Auswertung:

Zur Eurobarometer-Analyse 2026 

EUROPA IN EINER SICH RASCH ÄNDERNDEN WELTORDNUNG

Die alte Weltordnung löst sich auf: Zwischen den handelspolitischen Herausforderungen unter US-Präsident Trump, der systemischen Rivalität mit China und der Bedrohung durch Russland steht Europa vor einer historischen Zerreißprobe.

In seinem neuesten Impuls analysiert Wolfgang Merz, wie der „alte Kontinent“ seine Handlungsfähigkeit zurückgewinnen kann. Er plädiert für neue Allianzen mit Mittelmächten wie Indien oder Brasilien und einen vorurteilsfreien, strategischen Dialog mit China auf Augenhöhe – insbesondere in den Bereichen Handel, KI und Klimapolitik.

Zum vollständigen Impuls von Dr. Merz

Japan-Europe-U.S. Relations in Turbulent Times 18. Mai 2026 | Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin

Der Indo-Pazifik ist längst kein Randthema mehr – er ist Mitte. Am 18. Mai bringt das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin führende Japan- und Indo-Pazifik-Expertinnen und -Experten aus Europa und den USA zusammen, um genau das zu verhandeln: Wie stabil ist das Dreieck Tokio–Brüssel–Washington noch? Was bedeutet die neue Weltlage für eine Region, die lange als stille Ankerzone galt?

Die Keynote hält I.E. Mitsuko Shino, Botschafterin von Japan in Deutschland. Organisiert wird die Konferenz von der Indiana University (21st Century Japan Politics and Society Initiative), in Kooperation mit der Freien Universität Berlin und dem JDZB.

Anmeldung und weitere Informationen

RE:CREATE EUROPE OFFENE AUSSCHREIBUNGEN

Die European Alliance of Academies macht auf laufende Ausschreibungen im Rahmen des EU-geförderten Projekts Re:Create Europe aufmerksam. Gesucht werden Nachwuchskünstler:innen und Kulturpraktiker:innen, die an der Schnittstelle von Kunst, Kultur und Aktivismus arbeiten.

Das Projekt stärkt die künstlerische Freiheit und kulturelle Autonomie in Europa. Im aktuellen Programmjahr werden vier Residenzstipendien (Malta, Bulgarien, Rumänien, Deutschland) sowie eine Webinar-Reihe ausgeschrieben.

Bewerbungsfrist: 15. Juni 2026

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